Warum wird man Schiedsrichter?

Ich weiß nicht mehr, wann und und wo es war, dass ich diesen Spruch zum ersten Mal gehört hatte:

 

"Was ist der Unterschied zwischen Schiedsrichtern und Terroristen?"

 

"Na, ganz klar: Terroristen haben Sympathisanten!"

 

Na gut, ganz so schlimm ist es dann doch nicht, aber ein bisschen Wahrheit steckt schon hinter diesem Witz. Und es ist nicht nur beim American Football so, dass man als Schiedsrichter bereit und in der Lage sein muss, einen mitunter schwierigen Job zu übernehmen, der einem aber nur in den seltensten Fällen gedankt wird. Es ist zwar die große Ausnahme, dass man von Spielern oder Trainern derart bedrängt wird, wie man es mitunter beim Fußball erleben muss. Aber die Anwendung des mutmaßlich kompliziertesten Regelwerks, das der Sport insgesamt zu bieten hat, in Kombination mit vielfältigen und räumlich weitgestreuten Möglichkeiten, Regelverstöße zu begehen sowie der Umgang mit teilweise hochemotionalen Spielbeteiligten verlangen mitunter ein "dickes Fell". Umso schöner ist es dann, wenn auch ein unterlegenes Team nach einem Spiel kommt und sich für eine gute Leistung bedankt.

 

"Doch warum tut man sich das an?", mag der eine oder andere fragen. Und die Antwort ist verblüffend simpel: Es macht richtig Spaß! Man hat die Möglichkeit, aktiv "seinem" Sport verbunden zu bleiben, wenn die Spielerkarriere vorbei sein sollte, man ist Teil spannender Spiele und Vorgänge, man ist mit netten Kolleginnen und Kollegen auf Tour. Nicht nur dieses sind Gründe dafür, dass es bundesweit viele Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gibt, die ihren "Job" seit langer Zeit - z.T. schon über 20 Jahre - ausüben. Und immer noch nicht genug davon haben...

 

Je länger man dabei ist, umso mehr kann man die Arbeit des dritten Teams auf dem Feld genießen. Es läuft einfach rund, man ist Teil einer wunderbar zusammen arbeitenden Gruppe, in der ein jeder weiß, was der andere tut und was von ihm selber verlangt wird. Denn  - und das sollte nicht verheimlicht werden - der Anfang ist nicht so leicht. Es gibt so viel zu lernen, und das umfassende Regelwerk ist da fast noch das harmloseste. Fingerspitzengefühl muss entwickelt werden, die "Mechanics" - im weitesten Sinne die Vorgaben zu Aufgaben und Verhalten während des Spiels - sind nicht minder wichtig, dazu die Kommunikation mit Spielern, den Teamzonen und vielen anderen sowie viele Feinheiten, die man erstmal für sich entdecken und ständig weiter ausbauen muss. All dies sind Faktoren, die zu Beginn für zusätzliche Verwirrung sorgen werden, im Laufe der Zeit aber immer mehr automatisiert ablaufen und damit den Weg für den Spaß am Schiedsrichtern freigeben.